Geschichte


 
Wir möchten mit diesem kurzen Einblick in die Geschichte von Falkenrehde die Neugier jeder und jedes Einzelnen wecken, die oder der sich für die Geschichte unseres Ortes interessiert. Eine umfassende Chronik des Dorfes Falkenrehde können Sie im Gemeindehaus von Falkenrehde (Potsdamer Straße 37 b, bitte die Sprechzeiten des Ortsbürgermeisters beachten) zu einem Preis von 5 € kaufen.

 

Falkenrehde gehört zu den ältesten Siedlungsplätzen des Havellandes. Die Megalith-Tasse von Falkenrehde (um 3000 v.Chr.) bezeugt den Einflussbereich der sogenannten Nordleute bis in das Havelland.
Über den Namen des "Locators", des markgrafischen Ansiedlungsbeauftragten für die um 1200 erfolgte Ansiedlung der deutschen Bauernkolonisten, ist urkundlich nichts erwähnt. Die im Großen und Ganzen vom Jahre 1375 bis 714 gleichbleibende, um 50 herum schwankende Hufenzahl der Gemarkung Falkenrehde, gibt uns die Berechtigung, den Gründungszustand des Dorfes um etwa 1180 annehmen zudürfen. Um 1240 ursprünglich nach einer Familie "Arnoldi de Valkenrehde" benannt, wurde der Ort bereits 1341 in Falkenrahde umbenannt. Nach mehreren Umbenennungen erhielt der Ort seinen heutigen Namen. Dass Falkenrehde im 1. Jahrhundert seines Bestehens eine Art Mittelpunktfunktion gegenüber den benachbarten slawischen Siedlungen gehabt haben dürfte, scheint durch die zwei ortsansässigen Landschöffen (1335) bestätigt zu werden.
Als erster Lehninhaber ist Mathias von Bredow überliefert, der 1370 auf seinen Besitz verzichtete.
Bereits 100 Jahre später tauchte in dem ursprünglichen Fischer- und Bauerndorf das erste Herrengeschlecht auf. Es entstanden an dem West- und Ostende des Dorfes zwei Rittersitze; jedoch überwog der bäuerliche Landbesitz.
Im Jahre 1375 (Kaiser Karls Landbuch vom Jahre 1375 S. 98) wird Falkenrehde mit 38 Hufen (1Hufe=17,021 ha) erwähnt, von denen dem Pfarrer fünf und dem Dorfschulzen vier gehörten. Ein Henning Sevelt, wahrscheinlich ein Nachkomme eines soldatischen Lehnsmannes aus der Zeit der Kolonisation, hatte einen Sonderhof mit drei Hufen. Acht Kossäten (Kossäten sind kleine Höfe) werden besonders erwähnt, die sämtliche Hühnerabgaben zu leisten hatten. Auch ein verlassener Lehnshof mit dem Namen "Stolp" wird hierbei erwähnt.
Der Bestand um 1550 betrug 33 Bauernhufen und 27 Gutsherrenhufen. Die zwei Güter wurden zu einem Gut zusammengefasst; einer der bekanntesten Gutsbesitzer war Ernst von Weiler. Im Jahre 1733 hatte König Friedrich Wilhelm I. das Gut Falkenrehde für die Kämmerei der Stadt Potsdam ankaufen lassen. Im Jahre 1803 verkaufte die Stadt Potsdam das Gut wieder dem König Friedrich Wilhelm III. für 150.000 Taler; es wurde Schatullgut (königlicher Besitz).
1869 besuchte der Schriftsteller Theodor Fontane auch unser märkisches Dorf. Er stieg mit dem Kantor in die Kirchengruft, um den im Sarg ruhenden angeblich Enthaupteten Ernst von Weiler zu sehen. Nachdem er die vier Särge - in einem von ihnen lag wirklich ein Enthaupteter - gesehen hatte, stieg er die Steinleiter wieder hinauf und kehrte in der Krugstube gegenüber ein, wo er unter anderem verlauten lies, dass diese nicht größer sei als die Gruft, nur bunter. Ernst von Weiler ist nachweislich 1692 eines natürlichen Todes gestorben.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts wüteten im Dorf Falkenrehde zwei Feuerbrände, die in die Besiedlungsgeschichte des Dorfes eingriffen. Im Jahre 1806 brannten die Kossätenhöfe und im Jahre 1809 das gesamte Dorf ab. Mit diesen beiden Bränden wurde eine Besiedlungsgeschichte von 13 Reihen von Bauerngeschlechtern über etwa 650 Jahre unterbrochen.
Auf Veranlassung des Königs Friedrich Wilhelm III. wurde das Dorf wieder aufgebaut und alle Bauern wurden auf Kosten des Königs mit einer Ausnahme auf neu zugeteiltem Land ausgesiedelt. Sieben Gehöfte wurden in "Neu-Falkenrehde" errichtet und vier auf der alten Feldmark "Stolp". Diese Zwangsaussiedlung führte dazu, dass innerhalb von nur 85 Jahren diese Bauernhöfe verschwanden und nach und nach dem Gut einverleibt wurden. Das Rittergut kaufte der Reihe nach sechs, die Baumschule Späth fünf Gehöfte auf. Die Flächen der Baumschule Späth in Neu-Falkenrehde wurden später an das Gut verkauft.

Nach der Neuansiedlung der Bauern wurden Kleinsiedler mit Handwerk und Gewerbe angesiedelt, so daß in Falkenrehde alle einschlägigen Handwerk- und Gewerbetreibenden zu finden waren. Bereits 1876 gab es zehn Gewerbetreibende, darüber hinaus bestand der Großteil der Bevölkerung aus Klein- und Mittelbauern und Gutsarbeitern. Das Gut beschäftigte in der Saison Schnitter. Schnitter waren Arbeitskräfte meist ausländischer Herkunft, die im Saisonbetrieb von Frühjahr bis Herbst auf dem Gut beschäftigt wurden. Sie waren in den sogenannten Schnitterkasernen untergebracht.

Diese Gemeindestruktur prägte das Dorfbild bis 1945.

Trotz aller Schwierigkeiten bemühten sich die Falkenrehder Bürger, durch Fleiß und Beharrlichkeit ihr Leben sinnvoll zu gestalten und es zu einen bescheidenen Wohlstand zu bringen.

Besonders sind zu erwähnen:

  •       Sattlermeister Wilhelm Schöttler, der eine Sattlerwerkstatt 1879 gründete, die in kurzer Zeit über Deutschland hinaus bekannt wurde.

  •       Müllermeister Braumann, Bäckerei Wilhelm Schulze, Bäckermeister Conrad Herrmann, Schankwirtschaft Hermann Theuerkauff, Fischerei Andreas Fischer und der Fleischermeister Richard Lehmann.

Das gesellschaftliche Leben hatte sich seit der Neubesiedlung und im verstärkten Maße Ende des 19 Jahrhundert stark entwickelt. So entstanden Gesangs- und Turnvereine, Berufsstände und Traditionsverbände.

Die Verantwortlichen der Gemeinde Falkenrehde bemühten sich bereits um die Jahrhundertwende, für die Vorschulkinder eine Betreuungseinrichtung zu schaffen, da bereits zu dieser Zeit im wesentlichen alle Einwohner berufstätig waren. Heinrich Prinz von Preußen entsprach diesem Wunsch und vermachte der Gemeinde Falkenrehde eine entsprechende Stiftung, die in dieser Form zur damaligen Zeit beispielgebend war und noch bis Ende der fünfziger Jahre an gleicher Stelle in der Ketziner Straße betrieben wurde.

Das Gut (Eigentümer war Prinz Heinrich von Preußen) wurde an Max Mankiewicz und später an dessen Sohn Fritz Mankiewicz verpachtet, der gleichzeitig als Amtmann und als Oberamtmann fungierte. Sie waren tüchtige Landwirte. Das Gut Falkenrehde hatte dadurch im Brandenburgischen einen guten Ruf. 1938 musste Fritz Mankiewicz wegen seiner jüdischen Abstammung nach Norwegen emigrieren, wo er auch verstarb.

Die Gemeinde Falkenrehde war zur damaligen Zeit finanziell schlecht gestellt. Durch die Trennung von Gemeinde und Gut flossen keine Einkünfte mehr und nach der Trennung Kirche - Staat im Jahre 1923 musste die Gemeinde das Schulhaus käuflich erwerben. Da die Gemeinde Falkenrehde im Jahr 1934 wegen einer Veruntreuung des damaligen Amtsvorstehers zur Schuldtilgung verpflichtet wurde, stieg der Schuldenberg weiter an. Die Bürger von Falkenrehde mussten für die weiteren Jahre eine höhere Steuer hinnehmen, um die Schulden, die schließlich im Jahr 1938 endgültig getilgt wurden, bezahlen zu können.

Seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden die bürgerlichen Kräfte aus dem Gemeindeparlament "herausgewählt". Sämtliche Gemeindevertreter mussten durch den NSDAP-Kreisleiter bestätigt werden.

Das Kriegsende führte auch in Falkenrehde noch zu vielen Tragödien, der Belagerungsring um Berlin wurde in Ketzin geschlossen. Am 04.05.1945 sollte ein Einsatzkommando der Wehrmacht diese Vorhaben verhindern, und es kam zu schweren Kämpfen, die auf beiden Seiten erhebliche unnötige Verluste von Menschenleben forderte. Die Toten dieser kriegerischen Handlungen wurden auch auf dem Friedhof von Falkenrehde beigesetzt.

Am 03.12.1946 wurden auf Anforderung sowjetischer Behörden Nachforschungen über sowjetische Gräber angestellt. Im Jahre 1980 wurde das sowjetische Ehrenmal zum Denkmal erklärt. Den Gefallenen von Falkenrehde des 2. Weltkrieges wurde im Jahr 2000 ein Gedenkstein errichtet.

Mit Eintreffen der Roten Armee wurde das Gut durch die sowjetischen Truppen besetzt und nach der Ernte mit Ausnahme von 40 ha an die Gemeindeverwaltung übergeben. Mit Befehl Nr. 209 der sowjetischen Militärverwaltung wurden die deutschen Behörden beauftragt, die Bodenreform durchzuführen. Dazu wurde eine örtliche Bodenkommission gebildet, die am 21. September 1946 durch den Landrat Fenz bestätigt wurde. Der Besitz der Prinzessin Irene Heinrich von Preußen mit einer Gesamtgröße von 921,59 ha wurde laut Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung über Bodenreform der Provinzmark Brandenburg enteignet; 137 bäuerliche Kleinbetriebe entstanden. Rund 50 Siedler erhielten Kleinflächen bis zu einem ha. Zur technischen Unterstützung wurden Maschinenhöfe eingerichtet, die später in Maschinenausleihstationen (MAS) umgebildet wurden.

Das Nachkriegsgeschehen verlief auch in Falkenrehde nicht reibungslos. Flüchtlinge mussten untergebracht und die Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigsten Lebensmitteln (Fortsetzung der Bezugsscheinsysteme, z.B. Lebensmittelkarte, Kohlenkarte usw.) musste sichergestellt werden. Dieses System konnte erst Mitte der fünfziger Jahre durch die sich allmählich verbessernden Lebensbedingungen abgeschafft werden. Auch die politische Lage zog Spannungen nach sich, in deren Verlauf Bürger, sowohl Alteingesessene als auch Neubürger, die Gemeinde verließen. Es entstanden herrenlose Betriebe, sogenannte "devastierte Betriebe", die durch einen Verwalter zwangsbewirtschaftet wurden und von den neu gebildeten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) übernommen werden mussten. 

1953 wurde in Falkenrehde die LPG als Organisationsform der Großraum-Landwirtschaft gegründet, die später in spezialisierten Großbetrieben der Pflanzen- und Tierproduktion mit mehreren Dörfern zusammengefasst wurden. Es entstanden im Jahre 1973 die LPG Tierproduktion Buchow-Karpzow und im Jahre 1975 die LPG Pflanzenproduktion Falkenrehde.

Die steigenden Kinderzahlen machten den Neubau eines Kindergartens notwendig. Die Erbauer der Kindertagesstätte waren die LPG Falkenrehde, die LPG Buchow-Karpzow und der KfL Falkenrehde. Diese übergaben dem Rat der Gemeinde Falkenrehde am 25.11.1987 die Kindertagesstätte mit dem dazugehörigen Sportlerteil in Eigentum. Diese Einrichtung wird heute noch voll genutzt.

Was 1987 noch geschah: Bei der Deutschen Post der DDR ging der letzte Klappenschrank im Jahr 1987 in Falkenrehde außer Betrieb.

Nach der Wende wurden die LPG´en liquidiert und in der Pflanzenproduktion entstanden auf Ortsebene neue Gesellschaften – so in Falkenrehde die Marktfrüchte GmbH mit einem Zweig der Jungrindermast.

Nach der Wende wurde die seit der Bodenreform in Falkenrehde bestehende Technikbasis, beginnend mit der Maschinenausleihstation, Maschinentraktorenstation (MTS) und Kreisbetrieb für Landtechnik (KFL), aufgelöst. Es entstand die FAFAME (Falkenrehder - Fahrzeug und Metallbau GmbH) und einige andere Dienstleistungsbetriebe im  heutigen Gewerbegebiet.

Darüber hinaus wurde sowohl in Falkenrehde als auch in Neu-Falkenrehde neuer Wohnraum durch Umbau und Ausbau vorhandener Altbausubstanz geschaffen. Zur Wende 1989 waren 660 Bürger ansässig. Diese Zahl sank durch eine Abwanderung insbesondere junger Menschen im Jahr 1994 auf 610 Einwohner.

Durch die zielgerichtete Planung und Erschließung der Infrastruktur in Falkenrehde und Neu Falkenrehde gelang es der Gemeinde, Bauwillige zu gewinnen, so dass die Einwohnerzahl bis heute auf über 900 angewachsen ist. Ein weiterer Anstieg ist durch das neue Wohngebiet Uetzer Weg und die Erweiterung des Wohngebiets Straße der Jugend zu erwarten.

An der Ketziner Straße, auf dem Gelände der ehemaligen Tierproduktion, konnte die Betonsteinzeugfabrik „EHL“ angesiedelt werden. Dadurch konnten die weggefallenen Arbeitsplätze zum größten Teil abgefangen werden. So konnte sich das Leben nach der Wende trotz anfänglichen Turbulenzen allmählich stabilisieren. Diese gute Entwicklung schlägt sich auch im Vereinsleben nieder. Fußballvereine, Anglervereine, Feuerwehr, Tanzgruppen, Chor, Senioren- und Jugendclub sind in der Gemeinde fest integriert.

Die gewonnene Freiheit wollte die Gemeinde für Ihre Bürger und Bürgerinnen mit allen Mitteln erhalten. Da sich Falkenrehde sich nach wie vor in der Lage sieht, die kommunalen Belange auf allen Gebieten selbst wahrnehmen zu können, wollte die Gemeindevertretung die kommunale Selbständigkeit erhalten und wehrte sich gegen die Zwangseingemeindung. Gegen die durch Landesgesetz verfügte Zwangseingemeindung nach Ketzin hatte Falkenrehde Verfassungsbeschwerde eingelegt. Die Verfassungsbeschwerde hat das Verfassungsgericht durch Beschluss vom 09.02.2006 inzwischen zurückgewiesen.

Weitere Informationen zum Widerstand gegen die Gemeindegebietsreform in Brandenburg finden Sie unter www.gemeindetag-brandenburg.de

Die ehemalige Gemeinde Falkenrehde ist jetzt unwiderruflich ein Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel. Der Ortsbeirat versucht, die Interessen der Falkenrehder Bürgerinnen und Bürger in der Stadt Ketzin/Havel zu wahren.